Heute habe
ich frei

Ein Buch über Freizeit

Cover des Buches

Cover des Buches

»Heute habe ich frei« ist ein Buch über Entspannung, Bequemlichkeit und Muße. Mich beschäftigte die Frage nach dem Rhythmus von Arbeit und Freizeit. Dabei ist Freizeit eine Zeit, die nicht an erster Stelle steht. »Erst die Arbeit, dann das Vergnügen« lautet eine Redensart. Die Arbeit macht schließlich einen Großteil unseres Lebens aus. Ich wollte in meinem Abschlussprojekt mehr über die arbeitsfreie Zeit erfahren, die genau so wie die Arbeit, zum Leben gehört.

Mit der Frage, wie Freizeit heute aussieht, wollte ich untersuchen, was die freie Zeit ausmacht und wie sie empfunden wird. Die Idee hinter der Arbeit war es, eine bildliche Darstellung zu finden, die Eindrücke von Freizeit übersetzt und anregt, über die eigene freie Zeit nachzudenken. Es ging mir nicht darum, die Grenze von Arbeit und Freizeit klar zu definieren, sondern eine Vorstellung von einer mußevollen, entspannten Zeit wiederzugeben.

Muße

Der Einblick in die geschichtliche Entwicklung half mir, die Bedeutung von Freizeit und ihren Bezug zur Arbeit zu verstehen. Durch meine inhaltliche Suche habe ich nicht nur herausgefunden, dass Freizeit heute mehr im Vordergrund steht, sondern auch, dass die Vermischung von Freizeit und Arbeit, Konflikte, wie der Eindruck von Zeitknappheit und der Zwang zu Erholung, mit sich bringen. Denn die Arbeitszeit scheint sich totalisiert zu haben und macht die Freizeit ruhelos. Sie dient oft nur noch zu Regenerierung von Arbeitskraft. Das schnelle Tempo der Arbeitszeit wird auch auf die Freizeit übertragen, weshalb es schwierig zu sein scheint, sich richtig zu erholen. Da kommt Muße als neues, aber eigentlich ursprüngliches Verständnis von Freizeit auf, welches Freizeit nicht bloß als entgegengesetzte Zeit von Arbeit, sondern als ein anderes Zeiterleben definiert.

»Arbeit war schon immer Mittel zum Zweck«

»Arbeit war schon immer Mittel zum Zweck«

Recherche

Aus Beobachtungen und Recherchen habe ich Eindrücke gesammelt, die ich im Bild festgehalten habe. Es ist eine beobachtete und wie ich finde, erzählenswerte Sicht der Freizeit. Die Bilder sollen Emotionen hervorrufen, Entspannung bieten und ein ästhetisches Gefühl erzeugen. Es ist keine soziologische oder wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern ein Umgang, der bildliche und poetische Qualitäten hat. Die Antwort darauf, was Freizeit ist, wird durch die Zusammenstellung von bildlichen und sprachlichen Darstellungen illustriert.

Die Bilder sollen gerne angesehen werden. Vor allem soll durch die Qualität des Bildes bereits eine Lockerheit und Entspanntheit übertragen werden. Matisse hat es in seinen Notizen eines Malers so formuliert: »Ein Werk muss seine ganze Bedeutung in sich selbst haben und sie dem Beschauer aufdrängen, noch ehe er seinen Gegenstand zur Kenntnis genommen hat.« Ich wollte ebenfalls, dass der Betrachter die Stimmung sofort erfassen kann, die in den Linien, in der Komposition und in der Farbe liegt. Weiterhin, um es in Matisse‘ Worten zu fassen, suchte ich »Bilder, die Erholung für den Geist bieten, wie ein Lehnstuhl.« Nach einer langen Testphase, habe ich eine Bildsprache gefunden, die unbekümmert, locker und frei zu sein scheint. Ich arbeitete mit der Collage-Technik, die mir einen großen Spielraum ermöglichte.

»Warum blüht meine Pflanze nicht?«

»Warum blüht meine Pflanze nicht?«

»Es gibt sie, diese ganz besonderen Sonntage«

»Es gibt sie, diese ganz besonderen Sonntage«

Konzeption

Der lockere und spielerische Umgang mit der Technik führte zu einer Bildsprache, die Situationen passend darstellt. Das Bild vermittelt eine Stimmung, während die gesammelten Texte Situationen deutlicher werden lassen oder sie in ein anderes Licht rücken. Bild und Text entstanden parallel zueinander und wurden später zu Bild-Text-Paaren zusammengefügt. Es gab kein Storyboard, was das Stukturieren der gesamten Erzählung schwierig machte. Die Bilder teilte ich schließlich in Kategorien ein und ordnete sie entsprechend zu. Dabei verfolgte ich gleichzeitig die Logik des Bildes und der erzählenden Stimme im Text. Die Erzählung sollte trotzdem frei bleiben und gleicht eher einer Sammlung als einer Geschichte. Ein Gefühl von Freizeit soll durch eine lockere Stimmung im Bild und Text entstehen.
Freizeit ist ein offener Begriff, der mit Widersprüchen und Konflikten verbunden wird. Ein positives Freizeitempfinden wird viel mehr durch ein entspanntes Gefühl ausgemacht, als durch den Zwang dazu, bestimmte Hobbys oder Aktivitäten nachzugehen. Eine bewusste Entscheidung für Entspannung könnte bereits der Anfang einer müßigen Erfahrung sein.

»Es gibt sie, diese ganz besonderen Sonntage«

»Es gibt sie, diese ganz besonderen Sonntage«

Über das Buch hinaus

Die Auseinandersetzung mit dem Web bespielt zudem eine wichtige Schnittstelle, nämlich digitale Medien zwischen Arbeit und Freizeit. Meine Arbeit stellt die abstrakte Gefühlswelt da, und bietet an, inne zu halten, nachzudenken. Sie schafft Momente der Ruhe durch Identifikation und persönliche Verbindung.

»Und ab und zu, im Moment der größten Hetze, fällt mir plötzlich ein, dass die Eile kein ehernes Gesetz ist.«

»Und ab und zu, im Moment der größten Hetze, fällt mir plötzlich ein, dass die Eile kein ehernes Gesetz ist.«

»Und ab und zu, im Moment der größten Hetze, fällt mir plötzlich ein, dass die Eile kein ehernes Gesetz ist.«

»Und ab und zu, im Moment der größten Hetze, fällt mir plötzlich ein, dass die Eile kein ehernes Gesetz ist.«

Als Zeichnerin kann ich aufzeigen, was ich beobachte. Die Bilder bieten eine Sicht der Dinge, aber keine Lösung an. So müssen eigene Assoziationen zum Umgang mit Freizeit durch die Bilder ausgelöst werden. Das eigene Freizeitempfinden soll wach werden. Sicherlich spricht es nicht jeden an, gerade weil die Wahrnehmung durch meine persönliche Empfindung gesichtet wurde. Doch ist es mir wichtig, eine deutliche, persönliche Stimme durch das Bild zu kommunizieren, mit der ein Thema spielerisch und unterhaltsam aufgezeigt werden kann.

Ein Beitrag von Yuxing Li
vom 20.Januar 2018

Yuxing Li studierte Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste und schloss im März 2017 erfolgreich ihr Studium ab. »Heute habe ich frei« ist im Rahmen ihrer Abschlussarbeit entstanden. Aktuell studiert Yuxing an der HAW Hamburg und strebt den Master of Arts (M.A.) in Illustration an. 2018 konnte sie mit den Illustration Ihrer Abschlussarbeit den ILUSTRARTE Grand Prix in Portugal für sich entscheiden. Wir gratulieren und wünschen alles Gute für die Zukunft!

www.yuxingli.de